Einer der häufigsten Gründe, warum Patienten zum Arzt gehen, sind  Rückenschmerzen.
Ursache für akute Rückenschmerzen sind häufig die Lebensumstände, wie z.B. langes Sitzen, zu wenig sportliche Aktivitäten, körperliche Fehl- oder Überbelastung, Übergewicht.
Ursache für eine Chronifizierung der Schmerzen ist der Patient selbst. Denn die Risiken für eine Chronifizierung sind: Stress, passiver Lebensstil, Übergewicht, Nikotin- oder Alkoholkonsum, Vermeidungsverhalten.

Zunächst sollte der spontane Verlauf abgewartet werden. Sollte es innerhalb von 6-12 Wochen zu keiner deutlichen Schmerzbesserung gekommen sein, ist ein bildgebendes Verfahren (vorzugsweise MRT) zur weiteren Abklärung notwendig. Wichtig ist es, ärztlich abzuklären, dass keine andere Erkrankung als Ursache für die Rückenschmerzen infrage kommt. Bei zusätzlichen neurologischen Störungen ist eine fachärztliche Abklärung erforderlich.

Initial kann eine Schmerzbehandlung mit NSAR (Ibuprofen, Diclofenac o.ä.) vorgenommen werden. In diesem Zusammenhang wird von Schmerzmittel-Injektionen  in den Gesäßmuskel abgeraten, solange man Tabletten schlucken kann. Das Risiko für Arzneimittelreaktionen steigt bei dieser Applikationsart um den Faktor 100! Die Komplikationen intramuskulärer NSAR-Injektionen reichen von Hämatomen und Abszessen bis hin zu schweren Nekrosen und substanzassoziierten, vornehmlich allergischen Reaktionen bis hin zu hypoxämischen Hirnschäden mit letalem Ausgang. Der Arzt begibt sich bei solch einer Verabreichung in eine juristisch prekäre Situation.

Physiotherapie oder Massagen sollten NICHT verordnet werden. Warum? Patienten erleben nach der üblich verordneten Anzahl von 6 Behandlungen eine Besserung, nach einer gewissen Latenzzeit jedoch eine erneute Schmerzzunahme. Folglich bittet der Patient den Arzt um eine erneute Verschreibung.
Das Problem: Der Patient ist in seiner passiven Rolle gefangen und empfindet durch die Behandlung einen sekundären Krankheitsgewinn. Dies stellt jedoch ein weiteres Risiko für eine Chronifizierung der Rückenschmerzen dar.

Stattdessen soll der Patient motiviert werden, ggf. unter Schmerzmedikation, selbst aktiv zu werden. Denn das Hauptproblem von Rückenschmerzen sind allzu häufig eine angespannte Haltung und einseitige oder zu wenig Bewegung. Dem leidenden Patienten muß klar gemacht werden, dass nur er selbst aus dem Teufelskreis herausfinden kann, indem er zum einen die Rückenmuskulatur durch körperliche Übungen stärkt, zum anderen psychischen Anspannungen im Alltag entgegen wirken muss. Die Krankschreibung sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

Ach ja,  Wirbelsäulenoperationen sind bei chronischen, nicht-radikulären (nur auf die Wirbelsäule bezogene) Schmerzen der oben beschrieben Behandlungsmethode nicht überlegen. Auch hier ist also keine Hilfe zu erwarten. Was übrig bleibt, ist dann die medikamentöse Schmerztherapie.

Hier noch mal im Überblick:

Quelle: MMW-Fortschr. Med. Sonderheft 2/2012

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