Eines Tage stellte sich eine Patientin bei mir vor, die akute Schmerzen zwischen der 4. und 5. Zehe angab. Sie sei schon beim Orthopäden gewesen. Er sagte zu ihr, sie brauche ihre Hose gar nicht erst ausziehen, sie müsse zuerst zum Röntgen. Der Röntgentermin wäre aber erst eine Woche später. Da die Schmerzen aber so unangenehm waren, hatte sie sich nun bei uns vorgestellt.

Nach kurzer Inspektion fand sich tatsächlich eine Druckstelle zwischen den beiden besagten Zehen. Die Ursache hierfür war ein Hühnerauge (Clavus) an der Innenseite der 5. Zehe. Zustande gekommen vermutlich durch zu enge Schuhe. Therapie: ein Watteverband zur Druckentlastung und hoffen das es wieder verschwindet.
Diese Geschichte ist leider kein Einzelfall und ähnliche Fälle sind mir oder meinen Kollegen immer mal wieder begegnet.

Kritik: Solche Fälle sind an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Es kann nicht angehen, dass es Ärzte gibt, die sich beim Erstkontakt mit dem Patienten nicht ein mal die Zeit nehmen, die betroffene Körperstelle zunächst mit den einfachsten und preisgünstigsten diagnostischen Verfahren zu untersuchen.
Seit Jahrhunderten heißen diese:

– Betrachten (Inspektion)
– Betasten (Palpation)
– Abhorchen (Auskultation)
– Abklopfen (Perkussion)

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