In einer von der Carstens-Stiftung initiierten Vorstudie an der Charité wurde den Teilnehmern zweimal im Abstand von vier Wochen je 300 Milliliter Blut abgenommen. Im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe sank der systolische Blutdruck  bei den behandelten Patienten im Mittel um 16mmHg. In Medikamentenstudien, zum Beispiel zu ACE-Hemmern oder Betablockern, findet man gewöhnlich geringere Absenkungen. Daneben verbesserten sich die Blutfett-Werte der Studienteilnehmer.

Vermutet wird, dass der Eisengehalt (Ferritin) des Blutes eine zentrale Rolle dabei spielt. Da Eisen die Oxidation der Gefäße fördert, könnte ein hoher Eisengehalt demnach negative Einflüsse auf die Dehnbarkeit der Gefäßwände als auch auf das Immunsystem haben, so die vorläufige Theorie. Ein niedriger Eisenspiegel könnte dazu beitragen, die Dehnbarkeit der Gefäßwände zu erhalten.

In wieweit auch langfristige Effekte durch eine Aderlass-Therapie zu erzielen sind, wird in einer klinischen Studie in Zusammenarbeit von Carstens-Stiftung und Charité nun erforscht. Prof. Abdulgabar Salama, Leiter des Insituts für Transfusionsmedizin: “Wir wollen herausfinden, ob das regelmäßige Blutspenden für den Spender einen günstigen Einfluss auf sein kardiovaskuläres Risiko und auf seinen Blutdruck haben könnte.” Pof. Michalsen ergänzt: “Sollte sich das Blutspenden als Therapieansatz bei Hypertonie bestätigen, wird man umdenken müssen.”

Der Aderlass als Therapieform wurde bereits in der Antike angewandt und galt bis ins 17. Jhdt. als eine der wichtigsten Therapieformen. Auch wenn die Vorstellungen der damaligen Zeit, die den Aderlass rechtfertigen sollten, längst überholt sind, so war im Ergebnis jedoch eine Rechtfertigung zu finden, die diese Therapieform über fast 2000 Jahre überleben ließ! Das Ergebnis nämlich, dass auch heute noch regelmäßige Blutspender immer wieder über die positiven gesundheitlichen Effekte berichten, die nach einer Blutspende auftreten: Höhere Leistungsfähigkeit, besseres Körpergefühl, Vitalität. Bisher gibt es in der wissenschaftlichen Literatur nur vereinzelt Untersuchungen dazu. In epidemiologischen Studien finden sich unter anderem Hinweise, dass Blutspender ein vermindertes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen.

Diese Ergebnisse würden sich mit der bisherigen Erkenntnis decken, das Frauen bis zur Menopause ein geringeres kardiovasculäres Risiko haben einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Eventuell wäre der niedrige Ferritinspiegel (Eisenspeicher) bei Frauen eine Ursache dafür.

Für den behandelnden Arzt wäre die Konsequenz nach jetzigem Erkenntnisstand: Ein Verzicht auf eine Eisensubstitutionstherapie bei erniedrigtem Ferritin ohne Zeichen einer Anämie (Blutarmut). Dies wäre reine Laborkosmetik.

Für die Studie an der Charité werden noch Teilnehmer mit erhöhtem Blutdruck (oberer Wert/systolisch: 140-160 mmHg) zwischen 30 und 65 Jahren gesucht. Alle Informationen zur Teilnahme unter: www.bluthochdruck-blutspende.de

Quelle: BMC Medicine 2012, 10:54 doi:10.1186/1741-7015-10-54, Published: 30 May 2012

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